Bildungspolitik

Bildungspolitische Hausaufgaben erledigen

Wir begreifen Bildung als elementaren Schlussel auf dem Weg zu gesellschaftlicher Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger. Die Bereitschaft, Veränderungen herbeizuführen, für Überzeugungen einzustehen und eine demokratische Diskussions- und Gesellschaftskultur zu pflegen, ist Grundbedingung, um zivilisatorische Errungenschaften zu verteidigen und diese kommenden Generationen übermitteln zu können. Doch engagierte DemokratInnen bringt nur ein demokratisches Bildungssystem hervor und so sehen wir unsere Aufgabe in den kommenden Jahren in der Demokratisierung der Verhältnisse in der Bildungslandschaft sowie einer verstärkten Verwirklichung von Chancengleichheit und Durchlässigkeit innerhalb und zwischen den verschiedenen Institutionen.

 

In der Vergangenheit ist viel Kleinteiliges erreicht worden, das mit Fug und Recht als bildungspolitischer Fortschritt bezeichnet werden darf. Doch wir geben uns nicht mit Klein-Klein zufrieden, wenn es um die Zukunftschancen junger Menschen geht. Vielmehr ist nun die Zeit gekommen, in der das Drehen an einzelnen bildungspolitischen Stellschrauben nicht mehr die passende Antwort auf drängende Probleme sein kann - Bildung und ihre Institutionen müssen systematisch überdacht und reformiert werden. Hierfür braucht es eine bundesweite Strategie im Interesse der BürgerInnen, die dem zuletzt oft propagierten Bildungswettbewerb der Länder einen solidarischen Kontrapunkt entgegensetzt. Bildung ist zu wichtig, um sie zwischen den politischen Kleinkunstbühnen von Bayern bis Schleswig-Holstein zu zerreiben. Daher ist eine neue Kompetenzzuweisung Teil unserer Strategie. Der Bund darf sich nicht heraushalten, während reihenweise Studien die Chancenungleichhheit in Kita, Schule, Ausbildung, Hochschule und Weiterbildung unterstreichen und den Ländern weitgehendes Desinteresse an einer substanziellen Verbesserung attestieren.

 

Konkret bedeutet das, dass Investitionen im Bildungssektor forciert werden müssen, um die bestehenden Angebote kostenfrei gestalten zu können und Segregationsmechanismen auszuschalten. Ob Kitagebühren, Büchergeld oder Studiengebühren - wo die individuellen Lebenschancen vom Geldbeutel der Eltern abhängen, hat die Bildungspolitik versagt. Solche Mechanismen kann und darf sich keine Gesellschaft leisten. Allerdings muss die bestehende Angebotspalette auch weiter ausgebaut werden, um den Anforderungen der Gegenwart gerecht werden zu können. Die Kitalandschaft möchten wir verdichten, damit mehr Kinder einen gemeinsamen Start in die Bildungslandschaft erleben können. Der Übergang in die Schule sollte flexibel gestaltet sein und subjektive Bewertungskriterien wie Noten müssen so weit wie möglich vermieden werden, um der Institution Schule keinen fehlgeleiteten Wettbewerbscharakter zu geben. Kurzfristig müssen auch die letzten Bastionen der Altpädagogik zu Ganztagsschulen umgerüstet werden, in denen neben dem Unterricht, der zunehmend reformorientiert zu gestalten ist, auch eine Kultur des Miteinanders entsteht, die dem Lebensort Schule gerecht wird. Miteinander heißt auch, dass die Aufteilung von SchülerInnen in verschiedene Schultypen unter allen Umstanden zu vermeiden ist. Gemeinschaftsschulen halten wir für die Zukunft des Bildungssystems. Die zunehmenden Bestrebungen, das Abitur in zwölf Jahren zu erreichen, halten wir für gefährlich und betonen daher weiter die Vorzüge einer flexiblen Schuleingangsphase in Kombination mit einem offenen Gemeinschaftsschulmodell, welches keine Regelabschlusszeit vorschreibt.

 

Wir lehnen Studiengebühren in jeder Form ab, auch wenn sie als Studienkonten, Immatrikulationsgebühren, Erhöhung der Verwaltungsgebühren o.a. verkleidet auftreten. Zwangsexmatrikulationen lehnen wir ab. Der Bund muss von sich aus in der Lage sein, Geld in die Hand zu nehmen um eine adäquate Finanzierung der Hochschulen zu garantieren. Wer studieren möchte, muss dies auch können, daher ist das Studienangebot flächendeckend auszubauen, und der Hochschulzugang sollte einfacher organisiert werden. Wir möchten erreichen, dass eine abgeschlossene Berufsausbildung als Hochschulzugangsberechtigung akzeptiert wird, um auch nach der Schule Aufstiegschancen aufzuzeigen. BAföG-Modelle sind hierfür auszubauen und elternunabhängiger zu gestalten.

 

Wir möchten die Bildung neu denken und den Menschen vermitteln, dass Bildung nicht nur in der Schule stattfindet. Lernen ist ein lebenslanger Prozess und daher muss die Gesellschaft auch in allen Phasen des Lebens Räume für das Recht auf Lernen einrichten. Ob in der frühkindlichen Phase, in der Krippenangebote Teil unserer Strategie sind, aber genauso im Berufsleben, wo Weiterbildung in Zeiten der zunehmenden Flexibilisierung unerlässlich ist. Um den unübersichtlichen Weiterbildungsmarkt mit seinem Dschungel von vielen Anbietern, vielen gesetzlichen Vorschriften sowie vielen verschiedenen Abschlüssen und Zertifikaten übersichtlicher zu machen, ist eine staatliche Regulierung dieses Marktes (etwa durch ein umfassendes Weiterbildungsgesetz) erforderlich. Bildung garantiert gesellschaftlichen Fortschritt und bietet, bei gerechter Organisation, die Chance, traditionelle Hegemonien zu überwinden. Nur wenn gesellschaftliche und bildungspolitische Herausforderungen als zwei Seiten einer Medaille verstanden werden, haben wir die Chance eine Strategie zu verfolgen, welche die bundesweite Bildungslandschaft als Ganzes im Auge behalt und diese nicht Partikularinteressen opfert.